Etappe Trondheim-Oslo: Weiße Winterlandschaft bei klirrender Kälte und schneelose Hauptstadt

Sonntagmorgen: Das Studentendorf schlief noch, während wir die Abfahrt vorbereiteten. Bei -1 °C unter Null hatte sich Eis auf dem Auto festgesetzt. Das Beladen des Wagens war schwieriger als gedacht. Analog zum Spiel „Tetris“ wurden alle Dinge verstaut. Beides verzögerte die Fahrt; um 10 Uhr war dann Abfahrt. Ein trauriger Abschied, da Moholt für die dreiköpfige Reisegruppe mit vielen Erinnerungen verbunden war.

Es war ruhig auf der Europastraße 6. Die Sonne strahlte schwach auf die schneebedeckte Winterlandschaft. Alles war weiß und selbst die Flüsse waren teils gefroren. Zum letzten Mal galt die allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h und erlaubte uns eine entspannte Fahrt durch das Panorama. Die Sonne, die um 12 Uhr mittags am Horizont schien, suggerierte bereits den abendlichen Sonnenuntergang. Je weiter und höher wir in das Landesinnere über die Dovre-Hochebene eindrangen, desto kälter wurde es. Wir erlebten -13 °C, eine aushaltbare, trockene Kälte. So kalt, dass die Luftfeuchtigkeit von innen an der hinteren Scheibe gefroren war. Hartnäckig hielt sich das Eis auf der Motorhaube, welches entgegen aller Erwartungen unterwegs nicht schmelzen wollte.

Wir passierten die Wintersportgebiete von Lillehammer und Umgebung und sahen arbeitende Schneekanonen. Die norwegische Landschaft bereitete uns damit einen schönen Abschied, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Es waren schon viele Überlegungen für schlechte Wetterverhältnisse angestellt worden: Umleitung über Schweden, Nutzung der Schneeketten und ähnliches, da die Straße im Winter manchmal unpassierbar ist.

Es war schon dunkel, als die E6 kurz vor Hamar zu einer vierspurigen Schnellstraße wurde. Ein kleiner Geschwindigkeitsrausch setzte bei ungewohnten 100 km/h ein, denn bis dahin wurden im Durchschnitt nur 70 km/h erreicht. Entsprechend lange dauerten die über 500 km der ersten Etappe Trondheim–Oslo.

In der Hauptstadt Oslo wurde das Auto im Parkhaus und die Reisenden in ein Hostel einquartiert. Einiges ähnelte dem kürzlichen Besuch der Stadt: Achtbett-Zimmer im selben Hostel genauso wie die gesehenen Sehenswürdigkeiten: Die Oper, die Einkaufsstraße, das Parlament und der Königspalast wurden in der abendlichen Dunkelheit besichtigt – ebenso wie der Weihnachtsmarkt. Es war in Oslo zwar kalt, aber Schnee lag keiner mehr.

Abends waren die drei Reisenden müde von der langen Etappe, aber wir wussten: Die anstrengeste Etappe war geschafft.

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