Etappe: Göteborg–Kopenhagen, Fahrradfahrer, Drogenverkauf und Weihnachtsessen

Die Fahrt startete morgens direkt. Wir wurden besser im „Tetris-Spielen“. Obwohl das Gepäck das gleiche blieb, wurde es etwas geräumiger. Während die flache Landschaft vorbeizog, bereiteten meine Mitfahrer ihr Frühstück zu. Das Auto war so beladen, dass nur hinten rechts ein freier Sitzplatz war. Mit Kissen und Bettdecke aus Trondheim war dieser sehr bequem. Wer dort saß, schlief oder ruhte meistens weich gebettet. Mit großen Lebensmitteltüten zu seiner linken konnte dort auch ausgiebig gegessen werden. So waren auf diesem Platz die Augen meist geschlossen, vorne rechts offen und vorne links mit Sonnenbrille versehen. Sonne und Nebel wechselten sich ab.

Außer ein paar Gebäuden, die wie Ufos aussahen, war wenig zu sehen. Inzwischen war ein reger Lkw-Verkehr auf der ansonsten recht leeren Autobahn unterwegs.

An der Mautstation wurde für die Öresundverbindung nach Dänemark kassiert und schon ging es über eine hohe Brücke und einen Unterwassertunnel in das nächste Land. Erneut entgegen meiner Erwartung ohne Grenzkontrollen, von denen ich in den Medien gelesen hatte. Mit Windrädern auf beiden Seiten, dichter Bebauung und den Kopenhagener Flughafen empfind uns die Hauptstadt Dänemarks. Weniger der Verkehr, mehr die komplexe Wegfindung sowie die vielen Fahrradfahrer machten die Ankunft am Hostel zu einer Herausforderung. Einer blieb am Auto und zwei organisierten die Schlüssel (bzw. Zugangskarte) für das Zimmer. Das Auto wurde wieder geparkt und wir freuten uns auf die Stadt. Zufällig startete zu unserer Ankunftszeit eine geführte Stadttour. Die beiden wichtigsten Lektionen dabei: Vorsicht vor den tödlichen Fahrradfahrern und „Christian, der Vierte“. Und wirklich: Die Radler passierten die Straßen zahlreich und in hohem Tempo und hinter dem genannten König steckten viele Begebenheiten zu der Stadt.

Dass ausgerechnet an diesem Tag war die Feuerwehr im Einsatz, denn, so erzählte uns der kompetente australische Stadtführer, Kopenhagen brannte mehrmals nieder. Das Flair der Stadt gefiel sehr mit ihren Kanälen und historischen Gebäuden. Passiert wurde auch das Verteidigungsministerium. Aus dem weit geöffneten Tor verließ eine Mitarbeiterin per Fahrrad das Gelände und durch die Scheiben konnte man gut in die Büros blicken. „Willkommen in Dänemark“, dachte ich und erinnerte mich an meine USA-Reise, wo so etwas unmöglich gewesen wäre. Die Abendsonne brachte schöne Fotomotive bevor die etwa zwanzigköpfige Gruppe den letzten Punkt erreichte: Die Freistadt Christiania, eine autonome Gemeinde in Kopenhagen. Eine interessante Geschichte verbirgt sich hinter dieser Gegend, in der das Zusammenleben anders funktioniert.

Unser Stadtführer ermahnte uns eindringlich, dass Fotografierverbot der „Pusher Street“ einzuhalten. In Weihnachtshüttchen verkauften maskierte, dubiose Cannabishändler ihre Ware – geduldet von der dänischen Regierung. Andere standen um „Pennertonnen“. Wegen der Dunkelheit und diesem Umstand fand ich es interessant, aber nicht angenehm. Da half es auch nicht, dass die Häuser und Anlagen teils bunt und kreativ bemalt worden sind. Es ist und war eben ein alternatives Lebensmodell. Unser geführte Stadtbummel endete mit einem finanziellem Dankeschön. Wir waren inzwischen im dritten Land unserer Rückreise mit der dritten Währung. Bisher ließ sich alles mit Kreditkarte bewältigen, aber nun war erstmals ein Geldautomat nötig. Kopenhagen war bisher unser Favorit der bisherigen Städte: einfach schön.

Inzwischen zerrte der Hunger. Auf dem Rückweg passierten wir noch einen Weihnachtsmarkt. Mit zunehmender Nähe zu Deutschland wurden auch die Weihnachtsmärkte mehr wie zuhause – und nicht nur wegen der deutschen Bratwurst eines Standes. In der Unterkunft war ein „Free Christmas Dinner“ angekündigt. Ich war gespannt auf das Essen. Mit Scheinebraten, Rotkraut, Kartoffeln und Soßen gab es fulminantes und wohlschmeckendes Mahl. Durch dieses versammelten sich die Gäste an einem Tisch und ein langer, interessanter Abend begann, bei dem wir viele Menschen kennenlernten.

Dieser Beitrag wurde unter Reise (allgemein) abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.