Die menschliche Seite des Aufenthalts oder „Wie ich Vorurteile verloren haben“

Am Montag und Dienstag war ich wie gewohnt in der Firma und beschäftigte mich vornehmlich mit der Qualitätssicherung und der Arbeitsvorbereitung. Jedoch möchte ich einmal die menschliche Seite des Praktikums erläutern, die an beiden Tagen durch viele Gespräche besonders zur Geltung kam:

Inzwischen ist eine Woche vergangen und ich habe einiges über manche Mitarbeiter erfahren. Teilweise hat man mir Bilder der Kinder gezeigt, es wurden zwei Geburtstage in kleinen Rahmen während der Arbeitszeit gefeiert oder ich habe einfach nur über vieles sprechen können. Neben den persönlichen Informationen über Ausbildung und Details über die Arbeit oder, wie lange schon für die Firma gearbeit wird, standen auch Diskussion über die Türken als Volk an.

Es wurde auch über die Integrationsdebatte der Türken in Deutschland gesprochen. Jedoch zeigte man mir Unverständnis über das Verhalten der Deutschen damals aber auch (teils sogar vor allem) der Türken damals und heute. U.a. äußerte ich die Probleme, die häufig genannt werden und auch durch Bücher wie Deutschland schafft sich ab, welches ich übrigens noch nicht gelesen habe, thematisiert werden. Ein weiteres wichtiges Thema war der Islam. Jedoch wurde von jedem die Burka und der islamische Terrorismus verurteilt und darauf hingewiesen, dass die Frau viele Rechte im Islam besitzt und Mord etc. verboten sind.

Die Gespräche decken sich auch sehr gut mit meinen Alltagserfahrungen. Bisher wurde ich immer sehr freundlich behandelt und man begegnete mir mit viel Respekt und Gastfreundschaft. Ich wurde oft zum Essen eingeladen und man half mir, wenn ich mich dabei etwas ungeschickt angestellt habe. Und wenn ich Fremden erwähnte, dass ich aus Almanya komme, waren die Reaktionen noch freundlicher, so schien es mir.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich zahlreiche Vorbehalte gegenüber den Türken und dem Islam verloren habe. Ich denke, dass bei den Deutschen (im Sinne der Ethnie der „Deutschen“) ein Umdenken stattfinden muss. Erst dann kann die Integration fortschreiten – natürlich dürfen die Probleme, die es in der Kultur der Türken in Deutschland gibt, nicht verschwiegen oder ignoriert werden. So bestätigte man mir durchgehend, dass die Türken in Deutschland die deutsche Sprache zu lernen hätten – nicht sofort, aber es müsse doch Ziel sein.

Als kleines Vorurteil muss ich die türkische Pünktlichkeit erwähnen: fünf Minuten nach der Zeit, ist des Türken Pünktlichkeit – so bisher durchgehend meine Erfahrungen, wenn es nicht sogar mehr sein können. Zu weiteren Eigenheiten bezüglich der Stadt Istanbul selbst werde ich noch berichten.

Übrigens wurde ich bereits vor meinem baldigen Geburtstags besschenkt – so kam es mir zumindest vor. Am morgigen Mittwoch wurde ich von meiner „Arbeit“ freigestellt, um ein letztes Mal als Tourist loszuziehen. Denn schließlich ist dafür keine Zeit, wenn ich gegen 19 Uhr nach dem Tag in meinem Hotelzimmer ankomme. Dankend nahm ich noch letzte Tipps an und plante schon eifrig meinen folgenden Tag.

Nachtrag: Obiger Artikel repräsentiert nur meine Meinung. Ich würde mich als Laie auf dem Thema der Integrationsdebatte bezeichnen. Jedoch würde ich die Kernaussagen des Artikels auch unterschreiben. Aufgrund des schnellen Schreibens können jedoch Formulierungen unklar bzw. unpräzise sein.

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