Von den Alpen bis zum Mittelmeer und wieder zurück

Am Montag, den 29. Dezember, ging es auf eine einwöchige spannende Reise. Ziel sollte die französische Mittelmeerküste sein. Zuerst ging es bei starken Schneefall in die Schweiz. Auf der Autobahn – auf altbekanntem Weg – habe ich noch nie soviele Unfälle gesehen. Neben vielen Staus gab es unzählige „Blaulichteinsätze“. Glücklicherweise schien es bei Blechschäden zu bleiben – so sahen wir Fahrzeuge im Graben, in der falschen Fahrtrichtung und gegen Schilder donnern. Ab der schweizer Grenze waren die Straßen zum Glück frei. Wir erreichten nach 400 km/6 Stunden unsere Unterkunft: Ein charmantes Motel an der A2 kurz vor Luzern. Das Zimmer war schlicht, aber sehr schön sauber und komfortabel. In dichtem Schneetreiben erkundigten wir anschließend noch die Altstadt von Luzern mit der bekannten Kapellbrücke. Auf dieser wirkte alles sehr harmonisch und friedlich. Obwohl wir in einer Großstadt waren, kam es uns sehr urig vor. Die Temperaturen waren nahe an dem Gefrierpunkt, dank dichter Jacken und Schuhe ließ es uns kalt. Sehr erschöpft vom Tag und den vielen Eindrücken ging es zeitig ins Bett.

Ausgeschlafen am nächsten Morgen ging es direkt weiter auf der Bahn nach Italien. Unterwegs passierten wir den Gotthardtunnel: Fast eine Viertelstunde fuhren wir durch den drittlängsten Straßentunnel der Welt – 17 km! Die Strecke zwischen Mailand und Genua war ein besonderes Abenteuer. Die Autobahn schlängelte sich in dieser Richtung mit vielen Kurven durch die Landschaft. Beim Überholen der Lastwagen kam man doch etwas ins Schwitzen – die engen Kurvenradien, die steilen Passagen. Nachdem wir die Berge hinter uns ließen, erreichten wir Genua: Wenige Meter trennten uns nur von den Häusern neben der Autobahn. Nach kurzer Zeit erblickten wir freudig links neben uns das strahlend-blaue Mittelmeer. Weiter ging es durch viele Tunnel und über viele Brücken an der Küste entlang bis wir unser Ziel Beausoleil mit einer dortigen Ferienwohnung erreichten. An diesem Tag erlebten wir einen großen Temperatursprung von -4 °C auf 13 °C und freuten uns auf den kommenden ereignisreichen Tag.

Morgens ging es den steilen Berg hinab nach Monaco. Ich hätte nicht gedacht, dass das Fürstentum an einer so steilen Küste liegt. Der erste Eindruck vermittelte vor allem eins: dicht bebaut liegt der kleine Staat am Meer. Und teuer zudem auch, Beispiel: 27 m² Wohnung kostete 2400 € Kaltmiete und ein Parkplatz 350 €/Monat. Am Yachthafen liegen viele pompöse Yachten, die von großem Reichtum deuten. Obwohl das Land nur 2 km² misst, zieht es sich ziemlich in die Länge. Durch Busfahrten konnten wir uns doch deutlich Wegstrecke sparen. Jedoch zerren die vielen Treppen und steilen Straßen an der Kondition. Dabei verfügt Monaco über ein ausgedehntes Netz an öffentlichen Aufzügen. Die Straßen, die in unterschiedlichen Höhen parallel zur Küste verlaufen, werden so effizient verbunden. Leider fanden wir nicht immer den passenden Aufzug, aber es war manchmal doch sehr erleichternd, wenn man diese mal benutzen konnte. Am Silvesterabend genossen wir von der Ferienwohnung aus das Feuerwerk am Hafen und das Hupkonzert der Schiffe. Die Lautstärke der Hupen war überwältigend, während das Feuerwerk in einer tollen Kulisse war: Im Hintergrund das Meer, umgeben von Bergen fand es im Hafen statt.

2015 ging es weiter mit der Erkundung. Es ging zum einzigen Strand, an der nordöstlichen Grenze zu Frankreich: Dieser ist nur etwa 50 m lang und war vor allem aus Kies – sommerliches Badevergnügen findet hier wohl nicht statt. Später ging es zum Kasino in Monte Carlo. Auf dem Vorplatz war viel los, teuere Autos parkten neben weißen Kunst-Tannenbäumen – wie in einer Filmkulisse. Während einige Touristen ungläubig staunten, ließen sich die Sportwagen von dem herbeigewunkenen Personal einparken. Die weibliche High Society konnte in der Zwischenzeit in High Heels und im Pelz die Lobbys betreten. Auch interessant zu sehen waren Teile der Rennstrecke, die mitten durch die Stadt führt. So sieht man an manchen Straßen die rot-weißen Bordsteine oder ich erkannte den bekannten Hotel-Tunnel wieder. Dabei sagte jemand mal, dass das Rennen hier wie „Helikopterfliegen im Wohnzimmer sei“ – eine, wie ich finde, passende Beschreibung für diesen Wahnsinn. Wir besuchten im Anbruch der Dämmerung des ozeanographische Museum und erblickten echte Haie und kleine Fische sowie vieles mehr. Als es dunkel war, konnten wir noch die Stadt von ihrer anderer Seite erleben und fotografieren.

Allgemein kann man zur Stadt sagen, dass sie sehr sauber ist und viele Polizisten das Straßenbild prägen. Manche würden Monaco als Überwachungsstaat einordnen, aber ich habe ich mich doch sehr sicher gefühlt – wohl hingegen nicht: Die dicht gebauten und hohen Gebäude wirken doch etwas erdrückend in manchen Stadtteilen.

Am Freitag, den 2. Januar, folgte die längste Etappe der Reise: Von der französischen Mittelmeerküste fuhren wir über Italien zurück in die Schweiz. Von dort nahmen wir statt der Gotthard-Route die A13 im Osten des Landes. Durch die Berge ging es steil hinauf. Über viele Tunnel schließlich wieder hinab. Während oben viel Schnee lag, regnete es im schneelosen Tal. Die Strecke grenzt direkt das Fürstentum Liechtenstein. Wir führen einmal hindurch und ließen uns bei dem Tourismusbüro als Souvenir einen Stempel in unsere Pässe eintragen. Zurück in die Schweiz ging es weiter Richtung Norden. Über österreichische Landstraßen – so sparten wir uns die Vignette – erreichten wir nach elfstündiger Fahrt Füssen. Unterwegs gab es ein gutes Essen in einem gutbürgerlichen Gasthof und ein wundervolles nächtliches Panorama auf Nesselwang.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Schloss Neuschwanstein. Von unten ging es in einen halbstündigen Fußmarsch den Berg hinauf und schließlich in einer geführten Tour durch das Schloss. Es war sehr beeindruckend wie pompös sich Ludwig II. seine Residenz bauen ließ. Dabei wurden die Gruppen im 5-Minuten-Takt durchgeschleust. Ein Großteil der Gäste kam von weit her, um diese Sehenswürdigkeit zu besichtigen – vor allem aber aus dem asiatischen Raum. Dementsprechend wurde alles in deutsch, englisch und japanisch ausgeschildert. Von der nahegelegenden Marienbrücke hatte man eine gute Sicht auf das Schloss und die umgebende Landschaft. Auf der luftigen Brücke hatte ich doch etwas Respekt vor der Tiefe der Schlucht. Auf dem Weg dorthin – dieser war ziemlich verschneit und rutschig – bot sich ein weiteres Diaroma auf einen See und das unten liegende Schloss Hohenschwangau. Unten im Tal zeigte sich nun eine lange Schlange für die Eintrittskarten – eine Reservierung ist doch unerlässlich gut. Später ging es noch in die umliegende Berglandschaft. Nachts schien das in weißen Licht gehüllte Neuschwanstein nicht ganz so schön wie das in dem passenden gelb erleuchtete Schloss Hohenschwangau, wie wir bei der abendlichen Pizza philosophierten.

Am letzten Tag ging es schließlich entspannt zurück. Neben kleineren Staus war die Rückreise ganz gut zu meistern.

Fazit: Neben den tollen Sehenswürdigkeiten war es ein toller Road Trip mit 2150 spannenden Kilometern auf der Straße. Eine Reise voller Kontraste: warm an der Mittelmeerküste, kalt in den Alpen; vollgebaut gegenüber weite Landschaften sowie sichere Tunnel in der Schweiz im Vergleich zu unsicher wirkenden Tunnel in Italien. Fasziniert hat mich der Unterschied zwischen dem anscheinend leichten Luxusleben in Monaco und dem geordneten, einfachem Leben in den Alpen.

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