Lange Busfahrt durch die polnischen und ukrainischen Landschaften

8 Uhr an diesem 6. Januar: An diesem Dienstagmorgen sollte es für uns Physikstudenten auf eine lange Busreise gehen: Von Frankfurt nach Kiew. Nachdem es bereits die ersten Probleme bei der Kommunikation mit dem Busfahrer gab, konnte es in dem recht leeren Reisebus losgehen. Auf dem Weg Richtung Osten wurden in Würzburg, Bayreuth und Dresden noch Mitreisende eingesammelt. Aber warum sollte es nun in die Ukraine gehen? Neben der Erkundung der Stadt und der Menschen gab es ein besonderes Ziel, aber dazu später mehr.

Östlich von Dresden erfolgte die erste Polizeikontrolle, in der die Polizisten nach Drogen-Delikten ausschau hielten. Vor allem uns als einzige deutsche Staatsbürger hatten sie im Visier. Nachdem wir den Zweck unserer Reise erzählten und die Frage Haben Sie mit Betäubungsmitteln zutun? verneinten, konnte es weitergehen.

In Polen erfolgte auf einem Rastplatz die nächste Kontrolle der Reisepässe. Dort ergab sich leider die einzige Gelegenheit für eine größere Mahlzeit. Ansonsten ging es ohne große Pausen weiter. Kurz nach Mitternacht erreichten wir die polnisch-ukrainische Grenze: Diese hat – im Gegensatz zu den neulich passierten Grenzposten der Schweiz – sich den Namen wahrlich verdient: Eine Grenzbeamtin sammelte alle Pässe ein; später erhielten wir sie zurück. Wir stellten aber fest, dass keinerlei Stempel zu sehen ist. Ratlosigkeit machte sich breit; war es doch zu erwarten, dass die Einreise im Pass dokumentiert werden würde. Wir stellten fest, dass das nur die Ausreisekontrolle aus Polen war und 200 m weiter die Einreisekontrolle stattfindet. Dort wieder gründliche Kontrolle des Busses und langes Warten bevor es weiterging. Insgesamt dauerte die Grenzpassage zwei Stunden. Mit gestempelten Pässen fuhren wir nun auf ukrainischen Straßen weiter.

Je weiter es nach Osten und in die Nacht hinein ging, desto kälter wurde es: Auf den Straßenanzeigen standen Temperaturen von -13 bis -17 °C. Interessant war eine kontrastreiche Pause an einer Tankstelle: Entgegen aller Erwartung war diese sehr modern eingerichtet und in einem tadellosen Zustand – deutlich besser als die Straßen: Deren Qualität schwankte zwischen etwas holpriger zweispuriger Landstraße und ordentlicher vier- bis sechsspuriger Schnellstraße. Von den drei Fahrspuren pro Richtung war aber manchmal in der Mitte nur ein drei Meter breiter Streifen geräumt – eine Räumung der Abbiege- oder der weit verbreiteten Wendestreifen fand nicht statt. Interessant waren die Zebrastreifen über den mehrspurigen Straßen, über die selten, aber manchmal tatsächlich Leute gelaufen sind.

Unterwegs konnten wir viele schöne Kirchen und vor allem eine weite Landschaft mit viel Wald und Wiese sehen – dies war auch ein Grund, warum wir nicht ein Flugzeug genommen haben. Größere Ansiedlungen passierten wir kaum. Der Blick aus dem Fenster, vor allem mit einem schönen Sonnenaufgang, lenkte auch von der langen Busfahrt ab. Einziges Trostpflaster war der reichlich vorhandene Platz, sodass man es sich auf der Sitzbank bequem machen konnte.

Nachdem wir an verschiedenen Stellen Mitreisende rausgelassen haben, erreichten wir um kurz vor Mittag nach zerrenden 29 h einen Busbahnhof in Kiew. Zwar schien die Sonne kräftig, aber ein rauer und kalter Wind zerrte am Körper. Es war schwierig die schlecht-beschilderte Metro-Station zu finden. Wir fragten uns durch und erlebten die erste Schwierigkeit: Sich eine Fahrkarte zu kaufen. Dank einer freundlichen Einheimischen gelang es dann doch. Unser Ziel, das Hostel, zu finden war nicht einfach: Die kyrillische Schrift ist schwer zu lesen, aber glücklicherweise erreichten wir die Unterkunft dann bei Zeiten und konnten in einem SB-Restaurant gegenüber unsere Kräfte sammeln und uns erstmal von den Strapazen der Busfahrt erholen.

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