Noch einmal viel Kultur vor dem Abreisetag

An dem letzten ganzen Tag dieser Reise sollte es noch in zwei verschiedene Ecken der Stadt gehen. Zuerst ging es per Taxi in ein Freilichtmuseum etwas außerhalb der Stadt, in dem verschiedene Gebäude aus mehreren Jahrhunderten, thematisch nach Region sortiert, ausgestellt sind. Neben vielen Windmühlen gab es vor allem einige Bauernhäuser zu sehen. Nebenbei bot dieses „Museum für Volksarchitektur und Sitten der Ukraine“ Zugang zu zwei architektonisch recht verschiedenen Kirchen.

Überraschend war die Begegnung in einem Wohnhaus: Als wir auf dem vorbeilaufenden Weg eine Flöte spielen hörten, folgten wir der Musik. Wir landeten in einem Wohnzimmer, in dem ein „Sankt Nikolaus“ sowie ein Flötenspieler waren. Nachdem der Köstumierte uns erstmal etwas auf ukrainisch erzählte, gingen wir dann über in eine Konversation mit englischen und deutschen Wörtern. Mit Flötenmusik im Hintergrund erzählte St. Nikolaus – noch offener als neulich im Supermarkt – etwas zur Poltik. Er ordnete Putin als böse ein und forderte von Angela Merkel mehr Einsatz für die Ukraine. Weiter erzählte er von seinem Einsatz im Afghanistan-Krieg der Sowjetunion (1979-1989), in dem er zwei US-amerikanische Hubschreiber abgeschossen habe.

Zum Schluss ging es noch in eine andere Kirche. Diese war dafür, dass sie eine einfache „Dorfkirche“ war, auch sehr prächtig ausgestattet. Leider waren wenige Informationen auf englisch zu finden und die Wege teilweise sehr glatt. Als Spaziergang mit schönen Blicken in einem Park war es sehr schön. Insgesamt zeigt sich wieder, dass die Ukraine viele Sehenswürdigkeiten bietet, diese aber touristisch schlecht erschlossen sind.

Denn zurück wollten wir erneut mit einem Taxi. Während auf dem Hinweg ein Mitarbeiter des Hostels mit dem Taxifahrer den Preis verhandelt hatte (es ist üblich, vor der Fahrt den kompletten Preis fest zu vereinbaren), waren wir nun gefordert. Mit der Zieladresse in kyrillischer Schrift ausgestattet wollten wir einen Taxifahrer vor Ort finden. Jedoch ließ er sich von seinen geforderten 200 UAH nicht viel herunterhandeln. Als wir dann zu Fuß von dannen zogen, kam ein älteres Privatauto angefahren, hielt an und bot uns dieselbe Fahrt für 100 UAH an. In Deutschland kaum vorstellbar, aber wir sind gut am Ziel angekommen. Die Preisempfehlung waren hingegen 65 UAH – es macht einen wesentlichen Preisunterschied, ob man sich mit den Taxifahrer verständigen kann oder nicht.

Aufgrund der angenehmen Preise, welche ich erstmals Mittwoch feststellte, sind wir auch in den letzten Tagen immermal wieder Taxi gefahren. Neben der Preisverhandlung und der Tatsache, dass Privatleute fahren, bemerkten wir einen doch etwas schnellere Fahrweise. Anschnallgurte waren nicht immer vorhanden und wurden von den Fahrern nie benutzt. Einmal entfernte ein Fahrer sein Taxischild vom Dach des Autos, bevor er mit uns losfuhr. Was natürlich nicht fehlen darf, ist ein Heiligenbild oder andere religiöse Deko-Gegenstände. Aber eigentlich war ziemlich nett, Taxi zu fahren. Man gewöhnt sich an das ganze.

Unterwegs sahen wir von fern wieder die prächtige Statue, die wir Freitag schon sahen. Oben auf dem Berg angekommen, war es wieder etwas schwierig, das Ziel zu finden: Zuerst landeten wir in einem Museum, welches sich der Geschichte der 1970er und 1980er-Jahre annahm. Vorbei an ausgedientem Militärfahrzeugen mit bspw. Interkontinentalraketen fanden wir dann doch das „Nationale Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges“. Dieses thematisiert die ukrainische Besatzung durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkrieges. Im Gegensatz zum Freilichtmuseum war die Ausstattung und Präsentation der Materialien sehr gut. Zwar waren viele Texte aufgrund der Sprachbarriere nicht lesbar, aber die Art der Ausstellung war sehr gut – vor allem auch mit bewegenden Bildern. Im Foyer des Museums wurde wieder die Revolution thematisiert: Neben einer großen Fahne in Landesfarben sind ähnlich wie auf dem Majdan überwältigende Bilder zu sehen.

Das Museum liegt quasi am Sockel der Mutter-Heimat-Statue, welche in der Dämmerung und aufgrund des guten Wetters grandios wirkte. Diese Statue, größer als die Freiheitsstatue in New York City, ist ein wahres Monument gewesen. Als es dunkel war, leuchteten die Lichter der Stadt ringsherum. Eine Ebene weiter unten waren von bunt bemalte Panzer zu finden. Zurück im Hostel hieß es dann, die letzten Vorbereitungen für die Rückreise zu tätigen.

Dieser Beitrag wurde unter Ukraine abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.