Schroffe Berghänge, klare Seen und Wasserfälle

Das Austehen – es war doch recht hart. Noch tief steckte der gestrige Tag in den Knochen. Aber es half nichts: Aufstehen und fertigmachen. Im Auto noch schnell ein Milchbrötchen aus der Tüte und es konnte losgehen. Zwar erst in die falsche Richtung aber dann zum Ziel. Richtung Norden auf der Reichsstraße 9. Die kurvenreiche Strecke zeigte sehr schöne Aussichten. Gefühlt nach jedem Kilometer kam ein neuer See links oder rechts. Das allgemeine Tempolimit von 80 km/h außerorts ist bei den Verlauf kaum zu erreichen.

Steil ziehen schroffe Berghänge vorbei; mehr Berghänge als Fahrzeuge. Nur kleine Siedlungen werden passiert – sowie große Wasserfälle. So sahen wir ein Hinweisschild für einen Aussichtspunkt, fuhren von der Straße ab. Zuerst war nichts zu sehen. Ein Rauschen füllte die Stille. Ein Umdrehen half: Hinter uns prasselte ein massiver Wasserfall den Berg hinunter – ohne das er groß beschildert, von Touristen überlaufen, wäre.

Im weiteren Verlauf änderte sich die Landschaft: Die Bäume wurden dünner und kleiner, wir erreichten eine Hochebene. Mehrere Meter hoch standen Masten an beiden Straßenseiten: Viel Schnee liegt im Winter. Aber selbst in dieser Abgeschiedenheit fanden sich viele einzelne Häuser, die vorher das Landschaftsbild mitprägten. Ein Skigebiet wurde ebenso passiert.

Talwärts folgte eine lange Steilstrecke. Ich fragte mich, ob das nicht gefährlich mit den Bremsen sei und versuchte den Fahrstil anzupassen. 5 Minuten später stand ein Wohnwagengespann mit Warnblinker auf der Straße: Es rauchte aus dem Radkasten des Anhängers – es schien die Bremse zu sein.

In Haukeli, der Talort dieser steilen Abfahrt, wechselten wir auf die E 134. Es folgten einige Tunnel, bevor ein Anblick am Ende erschien: Wieder etwas höher gelegen lagen Schneeflächen in der Landschaft. Obwol es August ist, waren sie massiv. Wie die bekannte Milka-Kuh wechselten sich die Flecken mit kargen Vegetation ab – in der Mitte noch ein prächtiger See. Und das passierte nach dem nächsten Tunnel erneut! Den Tunnel danach durchfuhren wir nicht. Aufgrund von Bauarbeiten wurden wir als Kolonne (nicht leider, sondern zum Glück) über eine schmale Straße um den Berg herumgeführt.

Unten im Tal lag malerisch Røldal (sprich Röldal). Per Serpentinen ging es zu unserer Unterkunft. Niemand anzutreffen kam per Anruf vom Besitzer der Hinweis, dass die Tür im hintere Gebäude auf ist und das Zimmer Nr. 4 für uns ist. Der Schlüssel stecke. Tatsächlich! Das Vertrauen war hoch. Die Unterkunft lag hinter dem Dorf direkt an dem Fuße des „Skisenter“ vor einer Tunneleinfahrt, hoch über der Straße.

Aber da heute nur 300 km gefahren wurden, war etwas Zeit für einen Ausflug in das kleine Dorf Røldal. Neben einem Supermarkt-Besuch für einige Snacks wurde die Stabskirche besichtigt. Komplett aus Holz errichtet mit einem (so haben wir das öfters noch beobachtet) Friedhof nebenan. An dem See entlang ging es etwas den Berg hoch. Der See selbst war absolut klar. Ein (für damalige Verhältnisse) Betonbau prägte das örtliche Wasserkraftwerk. Zurück in der Herberge: Am Fuße des Sesselliftes lag ein schöner Wasserfall. Allgemein war die Aussichts vom Parkplatz ein Traum: Einige Wasserfälle an den Berghängen, unten lag das Tal mit Røldal. Ein paar einzelne Wolken-/Nebelfetzen lagen über ihm.

Da tat es auch keinen Abbuch, dass die Unterkunft den Charme einer Jugendherberge aus den 1960ern oder 70ern versprüht. Das Doppelzimmer für 33 € bekommt man hier bei dem hohen Preisniveau sonst nie.

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