Ausflug in eine einsame Waldhütte

Erneut stand das Wochenende an: So zumindest begab es sich, dass wieder ein Ausflug geplant war. Freitagnachmittags startete die achtköpfige Gruppe auf den Weg in die Natur. Je weiter von Trondheim entfernt, desto ländlicher wurde es. Auf der schmalen Straße 705 fuhren wir vorbei an Seen, Bauernhöfen und kleinen Siedlungen. Von einem Parkplatz aus schleppten wir viel Gepäck für unseren Hüttentrip. Die Hütte war Teil eines „Hüttennetzwerks“ des Universitäts-Sports und hieß Holmsåkoia. Auf dem einige Kilometer langen Marsch kamen die Gedanken, dass es die perfekte Geschichte für den typischen Horrorfilm gewesen wäre. Eine Gruppe junger Studenten machte sich ausgelassen auf einen Ausflug in eine einsame Gegend.

Die Hütte war zum Glück leicht zu finden. Teils stundenlang, so erzählte man sich, suchten andere Gruppen die Hütten. Angekommen wurden die drei kleinen Holzgebäude besichtigt. Ein Plumpsklo, ein Sauna-Hütte sowie die Haupthütte mit zwei Etagen, Platz für bis zu 20 Personen fanden wir vor. Effizient teilten wir die anstehenden Aufgaben auf: Diese umfassten Kochen, das Feuer in der Hütte oder in Sauna, Wasser aus dem nahen kleinen Fluss holen sowie das Klaviar und die Gitarre warmspielen.

Von dem alten Ofen strahlte die Wärme in den großen Gemeinschaftsraum mit Küche und Sofas und Tischen aus. Das Essen schmeckte gut. Inzwischen erreichte der Sauna-Ofen eine Temperatur von 70 °C. Zusammen genossen wir die wohltuende Wärme der Sauna. Draußen war es frisch genug für abkühlende Pausen. Ich genoss das Gefühl abseits des Weltgeschehens zu stehen. Ohne Strom, ohne fließend Wasser. Ein Ort um das Ende der Welt zu erleben, so fühlte es sich an.

Einige Aufgüsse später kam wieder der Gedanke an einen Horrorfilm: Jeder konnte uns hier oben „besuchen“ und niemand würde es mitbekommen. Jedoch passte eines nicht: Es gab sogar Mobilfunk-Empfang.

In der Hütte ließen wir den Abend bei Kerzenschein, Marshmallows und Kartenspielen ausklingen. Das Dachgeschoss war trotz langen Heizens zu kalt. Sowieso wäre es mit 20 Personen zu voll gewesen, aber so konnten einige unten in der Nähe des Ofens schlafen. Ich fand einen Platz auf dem Sofa.

Morgens wurde ich langsam wach. Ich frierte, zog mir die Decke wieder über den Körper und versuchte weiter zu schlafen. Eine Weile säter – wach – wurde klar: Das Fenster neben mir war einen Spalt offen und Kälte drang hinein. Andere schliefen noch. Der Ofen brennte mit Flüssig-Anzünder schnell wieder und langsam erwärmte sich der große Raum auf Wohlfühltemperatur. Andere wurden wach, es war bereits 11 Uhr als wir zusammen frühstückten.

Wann die nachfolgende Gruppe für die nächste Nacht kam, wussten wir nicht. So packten wir alle mit an und versetzten die Hütte wieder in den Stand von gestern. Zu zweit kümmerten wir uns um das Feuerholz, dass gespalten werden musste. Anstrengend für den Körper aber wohltuend für den Geist zugleich.

Alle Rucksäcke waren verpackt. Wir liefen zu einem 500 m entfernten See. An dem Ufer wurden wir Zeuge der wunderbaren Natur: ein Frosch oder ein Spinnenweibchen mit ihren Nachkommen im Nest entdeckten wir zwischen dem nass-moosigen Untergrund. Am See beeindruckte wie schon öfters das klare Wasser und die Abgeschiedenheit. Der Rückweg führte über das steinige Flussbett. Wenig Wasser floss im Vergleich zu sonst, wie die Bepflanzung zeigte. Über Geröll, Stein und Felsen erreichten wir wieder die Hütte.

Die nachfolgende Gruppe war bereits da. Nach letzten Fotos liefen wir mit deutlich leichterem Gepäck zurück in das Tal. Wunderbare Natur zusammen genossen, konnte zusammengefasst werden. Auf den Weg zurück fielen wieder einige Augen zu, obwohl der Weg mit knapp zwei Stunden nicht so weit war.

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