Strenge Vorschriften für zentrale Prüfungen in der Turnhalle

Inzwischen hatte mit dem Beginn des Dezembers die finale Klausurenphase gestartet. Freizeitaktivitäten fanden quasi nicht mehr statt und das gesellschaftliche Leben stoppte nahezu. Am Dienstag absolvierte ich meine erste Prüfung. Zwei Stunden lang präsentierten wir – genau wie über 20 andere Gruppen – unsere Arbeit. Beindruckt zeigte sich unser Dozent von den vielen guten Ergebnissen; wir waren vorher Amateure im Bezug auf Windkraft-Technik. Eine Präsentation als Prüfung war mir neu.

Donnerstag war ich früh auf den Beinen. In der Universität überraschte mich, dass ein großer Pulk an Studenten (mindestens 25) vor der Bibliothek auf Einlass wartete. Zügig stürmten diese nach Öffnung der Türen auf die verschiedenen Arbeitsplätze. Jetzt verstand ich auch, warum ich vor einigen Wochen von einer Norwegerin gefragt wurde, ob ich einen eigenen Platz hätte. Ab dem vierten Jahr bekommt der NTNU-Student einen festen Platz für seine Lernphase, für die „jüngeren“ schien es mehr ein Kampf darum zu sein. Solche Dinge waren mir nicht bekannt.

Am Freitagmorgen sah ich viele Gesichter seit langem wieder – ausgerechnet an der Haltestelle und im Bus in die Innenstadt. Die meisten Fahrgäste des überfüllten Bus hatten ein Ziel: Eine Turnhalle in der Innenstadt für ihre schriftlichen Prüfungen. Ganz im Gegensatz wie in Deutschland finden die Prüfungen an zentralen Orten statt und beginnen alle um 9 Uhr – vier Stunden dauernd. In einzelnen Sektionen der Turnhalle warteten schon unsere Aufsichten: Ehrenamtliche Rentner, welche streng die Einhaltung der Regeln überwachen sollten. Und diese waren wahrlich streng: Nur drei Taschenrechner sind erlaubt, Toilettengänge werden zusammen mit einer Begleitung erledigt, auf etwa 50 Prüflinge kamen etwa 6 Aufsichten und Einzeltische. Auch schließlich diese Formalitäten sind in Deutschland nicht erlebbar.

Pünktlich verteilten sie die Klausurbögen für „Energie- und Umweltphysik“. Jeder Bogen war handschriftlich auf Vollständigkeit überprüft worden. Zwar verstand ich weder die Durchsage zehn Minuten vor Beginn per Hallensprecher noch die Ansprache am Anfang der Klausur von der „Chef-Aufsicht“. Sie war so nett, die vielen Sätze zusammenzufassen: „Four hours.“ Die Klausur war genau wie die Vorlesung in englischer Sprache. Nun startete ein etwas anderes Abenteuer: Es gab Schmier- und Antwortpapier. Letzteres war Durchschreibepapier. Dazu später mehr:

Zuerst berechnete ich die Antworten zum ersten Teil der Klausur, Fragen mit fünf Antwortmöglichkeiten. Knifflig dabei: Drei Punkte gab es für die richtige und einen Punkt Abzug für die falsche Antwort. Raten wurde damit ein statisch ein Verlustspiel. Im zweiten Teil wurden dann Rechnungen verlangt. Zweimal beantworte der Dozent fachliche Fragen für die Studenten in der Turnhalle. Die Kommunikation mit ihm war auf englisch einfach. Mehr Gestenhaft als mit meinen Kenntnissen der norwegischen Sprache konnte ich zusätzliches Papier bekommen oder ein Wörterbuch von den betreuenden Aufsichten bekommen.

Insgesamt nahm ich die Sache entspannt auf. Statt des bekannten „Kampfrechnen“ gab es auch mal eine zweite Frühstückspause sowie sehr ausführliche Rechenwege. Überraschend war ich nicht deutlich früher fertig, sondern konnte die vier Stunden nutzen – beispielsweise für Kontrollrechnungen. Am Schluss galt es, meine Prüfungsnummer statt meines Namens notieren (für die Anonymität bei der Korrektur) und die beiden Seiten des Durchschlagspapier abtrennen. Die Klausur und meine Antworten durfte ich mitnehmen, auch wenn ich verunsichert war, die richtigen Blätter abgegeben zu haben. Man erzählte, eine Einsicht in die Korrektur gäbe es nicht. Aber der Fokus lag nun auf der nächsten Prüfung: Zurück in Moholt wartete bereits ein Lerntreffen für die letzte Herausforderung.

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Erlebnisreicher Tag (2): US-Amerikanisches Thanksgiving in Norwegen

Nachdem unser Bericht zu dem Windrad-Projekt abgegeben wurde, traf sich unsere Gruppe für die abschließende Präsentation – meine erste Prüfung in Norwegen. Mit einer Effizienz von bis zu 36,1 % arbeiteten wir sehr erfolgreich. Zwischendurch verschwand ich für das letzte Reference Group-Meeting. Zu dritt besprachen wir die Qualität der Vorlesung und welche Verbesserungen seit dem letzten Treffen eingetreten sind. Ferner wurden Vorschläge für die nächste Ausgabe von „Energie- und Umweltphysik“ gegeben. Ich fand dieses Modell der Evaluation immer noch ungewohnt, aber nicht schlecht. Das vertraute Modell der TU Darmstadt, indem alle anonym bewerten und kommentieren gefiel mir weiterhin besser.

Am Abend folgte ich einer interessanten Einladung; auch wenn mich die eisigen Wege, die nach dem Schneespaß durch Tau- und Frostwetter entstanden, beinahe zum Fallen gebracht haben – wie so oft in den letzten Tagen. Schon an der Tür des Hauses erwartete mich ein ausgedruckter Willkommensgruß und die Bitte, einfach einzutreten. Da war ich: Auf einem US-amerikanischem Thanksgiving-Fest – ganz anders als das deutsche Erndtedankfest. So erläuterte Billy, der Gastgeber, dass es zusammen mit Weihnachten der wichtigste Feiertag im Jahr sei. Man komme zusammen, um gemeinsam und genießt eine groß(artig)e Mahlzeit. Viele Menschen waren bereits in der Küche tätig. Freudig blickten alle Gäste (und viele Kameras) auf den Truthahn, als der den Ofen verließ.

Ganz der Tradition folgend gab es Cranberry-Sauce, Süßkartoffeln und Kürbiskuchen. Neben dem köstlichen Essen stand eines im Blickpunkt: Ich lernte viele interessante Menschen kennen. Zwei Schotten wurden meine ersten bekannten Englisch-Muttersprachler aus Europa in Trondheim und mit einigen der anwesenden Mathematik-Doktoranden entwickelten sich sowohl naturwissenschaftliche wie kulturelle Diskussionen. In den USA habe ich zwar viel gesehen, aber dieses Erlebnis – außerhalb Amerikas – bereichterte meine Erfahrung zu diesem Land. Thanksgiving ist im Gegensatz zum deutschen Erntedankfest wahrlich eine tolle Gelegenheit, zusammen eine gute Zeit haben.

Eine Sache war auch nicht zu verachten: Dieser Abend gab viel Energie für den nächsten Tag, der nach einer schlaflosen Nacht/einem frühen Morgen folgen sollte.

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Bølgen (die Welle) – ein grandios-überraschender Film aus Norwegen

Wenn man an Norwegen denkt, assoziiert man spontan viele Dinge. Bekannte norwegische Filme zählen bestimmt nicht dazu. Umso mehr kann man überrascht werden. Die Austauschstudenten haben sich Trondheimer „Prinsenkino“ eine Sondervorstellung des Filmes Bølgen/The Wave organisiert, da die Version mit englischen Untertiteln nur sehr kurz im Angebot war. So begab es sich, dass zwischen 20 und 30 Zuschauer in einem bequemen 200-Mann-Saal begeistert wurden. Zwar wurde passend angemerkt, warum wir denn die wenigen Stunden Sonnenlicht (die Sonne geht nun um 15:30 unter) im Dunkeln verbringen, aber es sollte sich lohnen. Die Werbung vor dem Film war amüsant und originell – mein erster Kinobesuch im Norden.

Der Film startet mit dem Blick auf eine gewöhnliche Familie, die im Umzugsstress steckt. Vater Kristian hat eine neue Arbeitsstelle angenommen; auch wenn er mit seiner bisherigen Tätigkeit als Geologe in einer Überwachungsstation sehr zufrieden war. Dort legten er und seine Kollegen ein wachsames Auge auf die Felsen des Fjordes. Am letzten Arbeitstag fallen zwei Sensoren aus. Kristians spürt, dass dies mehr bedeutet. Seine Kollegen befinden sich in einer Felsspalte, bevor der Felsen abrutscht. Können sie dies überleben? Wird die Flutwelle die Familie überwältigen? Findet sie im Chaos wieder zusammen?

Die hohe Bekanntheit der Schauplätze wird durch viele Drehorte im und nahe des bekannten Touristenortes erreicht. Für Kenner dieser Naturschönheiten erzeugt dies eine große Nähe zum Geschehen, welches durch die sympathischen Charaktere gestärkt wird – unterstützt von beeindruckenden Panoramen. Die Filmemacher schafften durch kurze hochqualitative Special Effect-Aufnahmen des Erdrutsches und der Flutwelle, eine richtige Dosierung für Dramatik und – trotz des überschaubaren Budgets von etwa 11 Mio. Euro – gelungenenen Filmsets einen bewegenden Katastrophenfilm. Eben weil der Handlungsverlauf nicht überraschend ist, überzeugt der Film jeden Fan der norwegischen Fjordlandschaft und spricht verschiedenste Zielgruppen an. Eine Abwechslung zu all den USA-lastigen Filmen des Genre mit anderer Bedrohungslage und weniger Tamtam.

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Studentisches Schneevergnügen

Bereits vor einer Woche konnten wir Schnee in Norwegen erleben. Allerdings nur etwas außerhalb von Trondheim. Dieses Wochenende war es soweit. Die Stadt wurde eingeschneit und die Studenten von Moholt wagten sich ins weiße Vergnügen. Internationale Schneemänner und Schneeballschlachten entstanden. Die kindlichen Instinkte entfalteten sich. Einige Studenten erlebten den ersten Schnee ihres Lebens und allgemein schienen einige bisher wenig Umgang mit Schnee zu haben. Das merkt man daran, dass diese sich sehr begeistert von der weißen Pracht bei den sozialen Netzwerken zeigten. Als Krönung wurde über dieses Medium eine Schneeballschlacht organisiert.

Von meinem Zimmer aus bot sich ein guter Blick auf eine Wiese sowie eine weitere Häuserreihe. Soviele Leute hatten sich dort noch nie vergnügt. Nach einer abschließenden Weihnachtsfeier mit „meinen Physikern“ am Freitag trug das zusätzlich zur aufkommenden Weihnachtsstimmung herbei. Lediglich ein (ordentlicher) Schlitten fehlte für den Moholt Hill.

Mutige benutzen weiterhin ihr Fahrrad den steilen Berg zur Universität hinab. Mit Spike-Reifen scheint es gut zu funktionieren.

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Reaktionen auf Terroranschläge von Paris

Nachdem die Welt letztes Wochenende von barbarischen Anschlägen in Paris geschockt wurde, reagiert die NTNU und hilft. Ein Treffen für französische Angestellte und Studenten wurde für kommenden Freitag organisiert. Ein Geistlicher und der Konsul von Trondheim stehen bereit. Schon vorher hat das „Internationale Haus“ umfassende Hilfe angeboten. Auch dort war ein Treffen arrangiert gewesen sowie Telefonnummern für Betroffene angegeben. Mit einigen Austauschstudenten aus Frankreich habe ich gesprochen. Gefasst wurde das Geschehene reflektiert. Erneut wurde die besondere Bedeutung von Erasmus betont. Der interkulturelle Austausch festigt die Einheit Europas, welches nun zusammensteht.

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Ereignisreiche (Alltags)momente

Die Woche startete ruhig. Den Montag verbrachte ich im Aktivitäten bei leckeren Waffeln und mit Spielen wie Billard, Tischkicker oder Tischtennis. Nabla bot Dienstagabend wieder einen Zeitvertreib an. An drei Tagen fand das miniUKA statt. Fast vor der Haustür wurden für Kinder ein Nachmittag mit Musik, Spiel und Programm angeboten. Es war schön zu sehen, wieviel Mühe und Arbeit in dem Angebot steckte. Norwegen ist extrem kinderfreundlich. Und dementsprechend viele Kinder kommen auf die Welt. So führte der Fußweg zum Campus an zwei Kindergärten vorbei und im Studentendorf wurde ein weiterer gebaut.

Auf der nahe liegenden Baustelle wurden aber auch weitere Wohnungen und ein Cafe gebaut. Täglich ab 7 Uhr sind die Baumaschinen im Einsatz. Jedoch nicht nur das: Donnerstagmorgen wurde ich panisch aus dem Schlaf gerissen. Das Haus rüttelte sich und es gab einen lauten Knall. Ich wurde wacher und erinnerte mich, dass in einer E-Mail des Studentenwerkes Sprengarbeiten angekündigt waren. Nachmittags gab es eine laute Sirene. Diese sollte vor der Sprengung warnen, aber das sie so laut war, erzeugte wieder ein ungutes Gefühl. Jedes Glas in der Küche schüttelte sich, ein lauter Knall, eine Druckwelle wie durch einen starken Bass. Noch mehrmals passierte dies, aber danach nicht mehr ganz so kräftig.

Inzwischen hatte ich mir in der Innenstadt eine Buskarte für drei Monate gekauft. Zuerst wollte ich keine, da ich den Preis von 120 € scheute, aber die Innenstadt war doch zu weit von der Wohnung entfernt. Donnerstagnachmittag wartete ich fast allein an der Haltestelle. Ich war und bin mir nicht sicher, aber ich sah Schneeflocken – Mitte September. Es ist nicht abwegig, aber irgendwie ungewohnt.

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Als Mumie verkleidet Preis für Kostum gewonnen

Auch ohne Ausflug sollte keine Langeweile aufkommen. Am Samstag nahm ich an einer Feier mit dem Motto „Kinderhelden“ teil. Die nötigen Utensilien für eine Verkleidung sind stark begrenzt, aber als Mumie aus Indiana Jones hatte ich überraschend einen Preis bekommen. Und das nur mit den einfachen Mitteln Klopapier und Klebeband.

Für mich war es weiterhin ungewohnt. Ich schien tatsächlich der einzigste Austauschstudent zu sein, nachdem ich schon bei der letzten Veranstaltung keinen traf. Eine unfreiwillig komische Rolle für mich. Aber besser Land und Leute kennenlernen konnte ich kaum, denn viele Gespräche drehten sich auch um Norwegen. Sei es darüber, dass sehr viele Leute ein Wochenendhäuschen haben, welches komplett ausgestattet ist. Oder über die Vergangenheit und Zukunft des Landes. Erstaunlich viele haben die deutsche Sprache in der Schule gelernt. Zwar sind ist das Wissen teils recht verstaubt gewesen, aber einige sind begeistert von der Idee, ein paar Sätze zu sprechen.

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Willkommen in Norwegen (2) – Uni-Erlebnis

Die letzte Vorlesung vor dem Wochenende: An diesem Freitag saß ich in der Vorlesung von Energy from Wind and Tidals. Ein Student verließ etwas vorzeitig die Vorlesung. Er war bepackt mit einem großen Rucksack. Daran befestigt ein Schlafsack. Und ein Spaten. Willkommen in Norwegen! Dort, wo man nach der Vorlesung einfach einen Trip in die Natur zu unternehmen schien. Das Wetter war noch einmal überraschend sommerlich. Jedoch waren dieses Wochenende (ausnahmsweise) keinerlei Ausflüge geplant.

Interessant: Jetzt fang ich auch schon an, vermeintlich norwegische Verhaltsweisen zu adaptieren. Ich beschäftigte mich vermehrt mit dem Wetter.

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Lange Wartezeit für Polizeibesuch

Das Land Norwegen: Es gehört nicht zu Europa, aber dann doch irgendwie dazu. Eine Passkontrolle gab es bei der Einreise nicht; trotzdem sind Dinge anders. Zumindest fanden wir uns bei der Polizeidienststelle ein, um uns für unsere Auslandsaufenthalte anzumelden. Nach vorherigen Registrierung per Internet hieß es lange Warten. Deutsche Austauschstudenten beklagten die fehlende Effizienz. Aber es stimmte: Obwohl der Andrang vorhersehbar war, waren (zu) wenige Mitarbeiter eingesetzt worden. Selbst die Warteschlange war „ineffizient“. Alles half nichts. Irgendwann kam ich an die Reihe. Ich zeigte meine Bestätigung der hiesigen Universität, meinen Studentenausweis, meine europäische Krankenkarte und meinen Reisepass. Im Gegenzug erhielt ich einen formlosen Brief mit einer Bestätigung. Ohne dieses Prozedere hätte ich nur drei Monate legal im Land verweilen dürfen. Norwegen hat sich durch internationale Verträge die Personenfreizügigkeit eingeräumt. Das ermöglichte mir – zwar durch 3,5 Stunden warten – keine Probleme mit dem Aufenthalt.

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Gemeinsame Euphorie im Studentendorf über Nordlichter

Letzten Donnerstag (9. September): Auf dem nächtlichen Heimweg aus der Innenstadt sehen wir erneut Nordlichter. Die Lichter der Stadt waren stark, aber es war wieder schön, diese zu sehen. Bereits in der Zeit der ersten Nordlichter-Sichtung brach ein regelrechter „Hype“ aus. Die Vorhersagen wurden oft gecheckt und in den sozialen Medien kursierten viele Fotos der Sichtungen. Aber dieser Donnerstag führte nicht erneut zu einem Hype. Dieser Tag endete einfach mit einem schönen Spektakel am Nachthimmel.

Zwischendurch verhinderten die Wolken jegliche Beobachtungen. Auch das Phänomen geriet etwas in Vergessenheit. An diesem Mittwochnachmittag sollte sich dies ändern: Es waren nicht viele Wolken am Himmel, die Vorhersage war gut. Wir fuhren nach Lade, etwas außerhalb der Stadt, und lagen am Fjord – gebettet auf Decken wegen der kalten und harten Felsen. Am Himmel passierte nichts. Ausführlich bekam ich die Geschichte des Filmes Frozen erzählt. Und kurz nach dieser Erzählung passierte es: Nordlichter tauchten am Himmel auf. Deutlicher als je zuvor sah ich sie: tanzend hoch am Himmel. Manchmal war es wie ein langgezogenes Seil aus grünem, hellen Licht; manchmal eine breite Front, welche auf uns zurollen schien. Lautlos und wunderschön; mal heller, mal dunkler; nach einer halben Stunde tanzten sie nicht mehr so stark und wir beschlossen heimzukehren.

Ich saß ich in der Küche am Essenstisch und genoss ein Abendessen, als ich euphorische Schreie von draußen hörte. Wurde eine Party nach draußen verlagert? Kommen Menschen von einer Party nach Hause? Aber es war vorher so ruhig. Am Fenster leuchtete es mir ein, als ich Gesichter nach oben starren sah! Alles wurde stehen und liegen gelassen und ich rannte in Hausschuhen nach draußen. Überall waren kleine Menschenansammlungen, die ihre Blicke nach oben richteten: Dort tanzten erneut die Nordlichter am Nachthimmel. Außergewöhnlich stark, mehrfarbig und wunderschön. Menschen schrien vor Freude, wenn die Lichter stärker wurden. Ebenso wie diejenigen, die aus den Häusern nun nach draußen eilten. Jeder war glücklich über die Sichtung, meine vierte. Eine Weile genoss ich die Nordlichter. Ich eilte in die Wohnung, um mit der Kamera ein paar Fotos zu machen. Die Fotos sind nichts geworden; lediglich die Fotos im Kopf sind gelungen.

Später wurden in den sozialen Netzwerken viele Fotos veröffentlicht. Manche sprachen stolz von ihrer ersten Sichtung; manche waren einfach begeistert. Ein neuer Hype brach aus, so schien es mir.

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Ausflug in eine einsame Waldhütte

Erneut stand das Wochenende an: So zumindest begab es sich, dass wieder ein Ausflug geplant war. Freitagnachmittags startete die achtköpfige Gruppe auf den Weg in die Natur. Je weiter von Trondheim entfernt, desto ländlicher wurde es. Auf der schmalen Straße 705 fuhren wir vorbei an Seen, Bauernhöfen und kleinen Siedlungen. Von einem Parkplatz aus schleppten wir viel Gepäck für unseren Hüttentrip. Die Hütte war Teil eines „Hüttennetzwerks“ des Universitäts-Sports und hieß Holmsåkoia. Auf dem einige Kilometer langen Marsch kamen die Gedanken, dass es die perfekte Geschichte für den typischen Horrorfilm gewesen wäre. Eine Gruppe junger Studenten machte sich ausgelassen auf einen Ausflug in eine einsame Gegend.

Die Hütte war zum Glück leicht zu finden. Teils stundenlang, so erzählte man sich, suchten andere Gruppen die Hütten. Angekommen wurden die drei kleinen Holzgebäude besichtigt. Ein Plumpsklo, ein Sauna-Hütte sowie die Haupthütte mit zwei Etagen, Platz für bis zu 20 Personen fanden wir vor. Effizient teilten wir die anstehenden Aufgaben auf: Diese umfassten Kochen, das Feuer in der Hütte oder in Sauna, Wasser aus dem nahen kleinen Fluss holen sowie das Klaviar und die Gitarre warmspielen.

Von dem alten Ofen strahlte die Wärme in den großen Gemeinschaftsraum mit Küche und Sofas und Tischen aus. Das Essen schmeckte gut. Inzwischen erreichte der Sauna-Ofen eine Temperatur von 70 °C. Zusammen genossen wir die wohltuende Wärme der Sauna. Draußen war es frisch genug für abkühlende Pausen. Ich genoss das Gefühl abseits des Weltgeschehens zu stehen. Ohne Strom, ohne fließend Wasser. Ein Ort um das Ende der Welt zu erleben, so fühlte es sich an.

Einige Aufgüsse später kam wieder der Gedanke an einen Horrorfilm: Jeder konnte uns hier oben „besuchen“ und niemand würde es mitbekommen. Jedoch passte eines nicht: Es gab sogar Mobilfunk-Empfang.

In der Hütte ließen wir den Abend bei Kerzenschein, Marshmallows und Kartenspielen ausklingen. Das Dachgeschoss war trotz langen Heizens zu kalt. Sowieso wäre es mit 20 Personen zu voll gewesen, aber so konnten einige unten in der Nähe des Ofens schlafen. Ich fand einen Platz auf dem Sofa.

Morgens wurde ich langsam wach. Ich frierte, zog mir die Decke wieder über den Körper und versuchte weiter zu schlafen. Eine Weile säter – wach – wurde klar: Das Fenster neben mir war einen Spalt offen und Kälte drang hinein. Andere schliefen noch. Der Ofen brennte mit Flüssig-Anzünder schnell wieder und langsam erwärmte sich der große Raum auf Wohlfühltemperatur. Andere wurden wach, es war bereits 11 Uhr als wir zusammen frühstückten.

Wann die nachfolgende Gruppe für die nächste Nacht kam, wussten wir nicht. So packten wir alle mit an und versetzten die Hütte wieder in den Stand von gestern. Zu zweit kümmerten wir uns um das Feuerholz, dass gespalten werden musste. Anstrengend für den Körper aber wohltuend für den Geist zugleich.

Alle Rucksäcke waren verpackt. Wir liefen zu einem 500 m entfernten See. An dem Ufer wurden wir Zeuge der wunderbaren Natur: ein Frosch oder ein Spinnenweibchen mit ihren Nachkommen im Nest entdeckten wir zwischen dem nass-moosigen Untergrund. Am See beeindruckte wie schon öfters das klare Wasser und die Abgeschiedenheit. Der Rückweg führte über das steinige Flussbett. Wenig Wasser floss im Vergleich zu sonst, wie die Bepflanzung zeigte. Über Geröll, Stein und Felsen erreichten wir wieder die Hütte.

Die nachfolgende Gruppe war bereits da. Nach letzten Fotos liefen wir mit deutlich leichterem Gepäck zurück in das Tal. Wunderbare Natur zusammen genossen, konnte zusammengefasst werden. Auf den Weg zurück fielen wieder einige Augen zu, obwohl der Weg mit knapp zwei Stunden nicht so weit war.

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